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Wohnungsnot ist in Singapur ein Fremdwort

Aktualisiert: 16. Jan. 2023

Singapur: Der Stadtstaat steht weltweit an zweiter Stelle, wenn es um die Höhe des Immobilienpreises für den Quadratmeter geht. Dennoch leben rund 80 Prozent der Menschen in ihren eigenen Wohnungen. Das funktioniert, weil der Wohnungsbau staatlich finanziert ist und die meisten Flächen in staatlicher Hand liegen. Einige Experten halten dies auch für eine gute Alternative zum angespannten deutschen Wohnungsmarkt.


Ein Vergleich

1960 wurde in Singapur das "Housing and Development Board" (HDB), die Behörde für sozialen Wohnungsbau, ins Leben gerufen. Sie baut Wohnungen und vergibt sie deutlich unter dem Marktwert per Mietkauf für 99 Jahre an Familien. Dadurch sind seitdem nie Slums oder Obdachlosigkeit entstanden. Etwa 80 Prozent der Menschen wohnen in einer der eine Million Sozialwohnungen im asiatischen Stadtstaat. Das berichtet ein ARD-Korrespondent für Deutschlandfunk Nova. In Deutschland besitzen nur knapp die Hälfte der Bürger ein Haus oder eine Wohnung. Glaubt man der FAZ, gibt es sogar nirgendwo in Europa so wenig Wohneigentümer wie in Deutschland.


Möglich sei das Singapurer Vorgehen unter anderem, weil der Staat die meisten Grundstücke auch besitzt. Es handle sich allerdings um eine – nach wie vor - sehr autoritäre Regierung, die am Anfang massiv auf Zwangsverkäufe gesetzt hatte. Das Wohnungsbauprogramm gilt als Erfolgsmodell, hat aber seinen Preis. Rund 1,6 Milliarden Euro im Jahr ließ sich das der reiche Staat laut dem ARD-Studio Singapur zuletzt kosten.


Subventionierte Preise

Die Regierung hat die Kontrolle über einen Großteil des Wohnungsmarkts und ist somit in der Lage, Einfluss auf das Zusammenleben zu nehmen. Es sollen arm und reich sowie alle Völkergruppen nebeneinander wohnen – damit wird eine Ghetto-Bildung verhindert. Die Ethnien werden nach einem staatlich festgelegten Schlüssel gemischt. Die Appartements werden zu subventionierten Preisen und nach bestimmten Prioritäten an Singapurer Bürger verkauft. Gibt es mehr Anspruchsberechtigte als Wohnungen, werden die Eigenheime verlost oder nach sozialen Kriterien vergeben.


Als Erstkäufer bekomme der Bürger verschiedene Kredite und Vergünstigungen, um die Wohnung finanzieren zu können. Die FAZ berichtet, dass die staatliche Rentenkasse einen Kredit gewährt, der bis zu 90 Prozent des Wohnungspreises finanziert. Im Verlauf des Arbeitslebens muss der Kredit vom Eigentümer zurückgezahlt werden. Auf diesem Weg kann sich fast jeder Bürger eine eigene Wohnung leisten. Außerdem würden die Menschen gemeinhin besser mit ihrem Eigentum umgehen, als mit gemieteten Objekten.


Geld in die Hand nehmen

Obwohl in den vergangenen zwanzig Jahren auch die Preise für die klassischen HDB-Wohnungen um das 2,4-fache gestiegen sind (Quelle: Neue Züricher Zeitung), halten einige Experten das Modell für eine gute Alternative zum deutschen Wohnungsmarkt. Der ist durch die hohen Immobilienpreise bekanntlich sehr angespannt. Wären die meisten Baugrundstücke in der Hand von Kommunen, würden die Investoren die Preise nicht immer weiter in die Höhe treiben können. Der Staat müsste Geld in die Hand nehmen, um die Bürger beim Kauf eines Eigenheimes zu unterstützen. Eine eigene Wohnung zu besitzen, hat seine Vorteile. Schließlich hat man Vermögen, kann nicht aus den eigenen vier Wänden vertrieben werden und hat darüber hinaus für das Alter vorgesorgt.


Fazit

Dass in Singapur nahezu jede Familie eine Wohnung ihr Eigen nennen kann, liegt an den umfangreichen Investitionen des Stadtstaates in die HDB, die Behörde für sozialen Wohnungsbau. Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Regierung den größten Teil der zu erwerbenden Grundstücke besitzt. So kann sie Wohnungen bauen und sie Familien per Mietkauf weit unter dem Marktwert anbieten. Von diesem Vorgehen könnte sich das von Wohnungsnot geplagte Deutschland laut einiger Experten eine Scheibe abschneiden.


Bildquellen: Header: & Footer: shutterstock & unsplash

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